
Späte Mütter im Trend
Immer mehr Frauen verschieben den Kinderwunsch auf jenseits der 40. Und geraten unweigerlich in eine Art biologische Rushhour. Im Wiener Wunschbaby Institut WIF sorgen Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger und sein Team für Mutterglück in jedem Alter.
Die Zeiten haben sich geändert. Während noch vor dreißig Jahren eine Schwangere jenseits der vierzig sehr selten anzutreffen war, steigt heute die Zahl der späten Mütter jährlich. Stars und Prominente wie Carla Bruni-Sarkozy, Gianna Nannini und Monica Bellucci sind die neuen Role-Models und Heldinnen. Seit dem Jahr 2000 beobachten die Statistiken einen sprunghaften Anstieg der Geburten, bei denen die Frau älter als vierzig Jahre ist.
Verhütungsmittel Karriere
Die Lebensentwürfe moderner Frauen haben nichts mehr mit Muttis Vorstellungen vom Glück zu tun. Mutterschaft ist längst nicht die einzige Möglichkeit, ein erfülltes Leben zu führen. Viele Frauen absolvieren erst einmal eine solide Ausbildung, um finanziell unabhängig zu sein. In Westeuropa sind die Ausbildungs- und Studienzeiten besonders lang, so wundert es nicht, dass der Anteil der Spätgebärenden speziell unter Hochschulabsolventinnen hoch ist. „Bildung und Karriere wirken wie ein Verhütungsmittel – für Frauen und für Männer“, sagt Univ. Prof. Dr. Wilfried Feichtinger, Gründer des Wunschbaby Instituts Feichtinger in Wien Hietzing (WIF).
Auch die nicht enden wollende Suche nach dem geeigneten Partner ist ein häufiger Grund für eine späte Schwangerschaft. Erst wenn der Traumprinz auf dem weißen Pferd daher geritten kommt und die beruflichen Karrierewünsche erreicht wurden, entscheiden sich Frauen für Nachwuchs. Doch dann tickt meist auch schon die biologische Uhr.
Biologische Rushhour
„Wenn Frauen die Familienplanung hinauszögern, geraten sie zwangsläufig in eine Art biologische Rushhour“, sagt Univ. Prof. Dr. Feichtinger. „Zwar ist die weibliche Lebenserwartung im letzten Jahrhundert von 50 auf 80 Jahre gestiegen, aber die Wechseljahre treten nach wie vor durchschnittlich mit 50 Jahren ein“, so der Mediziner. Und schon davor beginnt eine mehrjährige Phase der Unfruchtbarkeit. Für die Erfüllung des Kinderwunsches bleibt nur eine relativ kurze Zeitspanne. Frauen sollten die Entscheidung für Familie deshalb nicht auf die lange Bank schieben. „Obwohl die meisten Frauen über 35 körperlich gesund sind und sich fit fühlen, nimmt die natürliche Fruchtbarkeit schon ab 30 allmählich ab“, so der Kinderwunsch-Experte. Die Fakten: Eine Frau im idealen Gebäralter zwischen 20 und 25 hat pro Zyklus eine Chance von etwa 30 Prozent ein Kind zu empfangen. Für Frauen ab 35 verringert sich die Chance pro Zyklus etwa um die Hälfte und sinkt mit 40 Jahren weiter auf etwa zehn Prozent.
Die moderne Reproduktionsmedizin gibt Hoffnung
Die gute Nachricht: Reproduktionsmedizin, Schwangerschaftsvorsorge und Geburtsmedizin haben sich inzwischen auf das zunehmende Alter von Müttern eingestellt. Im WIF werden Frauen professionell beraten und betreut: „Unsere oberste Prämisse ist die Erfüllung von Wunschkindern“, sagt Univ. Prof. Dr. Feichtinger. Er ist einer der weltweit ersten Mediziner, dem die Geburt eines IVF-Babys gelungen ist.
Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen sich eingehend untersuchen lassen, um zu prüfen, ob organisch alles in Ordnung ist und der Eisprung regelmäßig stattfindet. Ist das nicht der Fall, reicht oft schon eine geringe hormonelle Stimulation des Eisprungs, um dem Kinderwunsch nachzuhelfen. Da mittlerweile schon jeder zehnte Mann als nicht oder nur bedingt zeugungsfähig gilt, sollte der Partner ebenfalls seine Samenqualität untersuchen lassen. Univ. Prof. Dr. Feichtinger: „Bei einem unbefriedigenden Samenbefund des Mannes können zunächst Inseminationen versucht werden, also die Übertragung des männlichen Samens in den Genitaltrakt der Frau oder man macht eine in Vitro Fertilisation, kurz: IVF, die viel zitierte Befruchtung im Glas“.
Eine Sonderform der IVF ist die so genannte ICSI (Intracytoplasmische Spermieninjektion). „Bei dieser Methode der künstlichen Befruchtung wird die Samenzelle, das Spermium des Mannes, direkt in das Zytoplasma einer Eizelle eingespritzt. Ein Scheitern der Befruchtung kann dadurch eigentlich ausgeschlossen werden“, so der Arzt. Falls medizinisch notwendig, erfolgt die Samengewinnung direkt aus dem Hoden mittels PESE (Percutaneous Sperm Extraktion). Univ. Prof. Dr. Feichtinger: „Wenn alle Methoden erfolglos bleiben, gibt es bei uns im Institut auch die Möglichkeit einer Fremdsamenbefruchtung, also die Zuhilfenahme einer Samenbank. Diese Methode wird aber nicht mit einer IVF kombiniert, sondern erfolgt durch vaginale Besamung. Einziger Nachteil: Laut Gesetz ist diese Methode bei allein stehenden Frauen oder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Österreich nicht erlaubt.
Unabhängig davon ist das Wunschbaby Institut Feichtinger, als eines der ersten Kinderwunschzentren weltweit, spezialisiert auf die Bestimmung aller Chromosomen der Eizelle (PID = Präimplantationsdiagnostik am Polkörper der Eizelle). Bei diesem Verfahren kann man die richtigen und "guten" Eizellen für Befruchtung und Transfer aussuchen. Diese Methode wird natürlich mit einer in Vitro Fertilisation kombiniert und ist besonders ideal bei den späten Müttern, also bei Patientinnen in fortgeschrittenem Alter.
„Sämtliche Methoden werden individuell an die medizinischen und auch psychologischen Bedürfnisse der Frau angepasst“, sagt Univ. Prof. Dr. Feichtinger. „Wohlfühlen ist bei uns wichtig. Und Patientinnen, die sich ein Kind wünschen, müssen sich rundum gut betreut und sicher fühlen, denn auch die Psyche ist ein wichtiger Parameter in Sachen Kinderglück.“
Späte Schwangerschaft aus medizinischer Sicht
Aus medizinischer Sicht ist eine späte Schwangerschaft jenseits der vierzig kein Problem. „Wenn ältere Schwangere medizinisch optimal betreut sind, haben sie eine genauso große Chance, ein gesundes, normal entwickeltes Kind zur Welt zu bringen wie jüngere Frauen“, sagt Univ. Prof. Dr. Feichtinger. Ältere Schwangere haben sogar einen klaren Vorteil: Ärzte haben beobachtet, dass sie Stress meiden, regelmäßig Sport treiben, sich gesünder ernähren und mehr schlafen als junge werdende Mütter. „Reifere Frauen entscheiden sich bewusst für ein Kind“, sagt der Arzt. „Sie genießen die Schwangerschaft mehr und achten auf ihren Körper.“ Auch wenn ab dem 35. Lebensjahr im Mutterpass der Eintrag „Risikoschwangerschaft“ vermerkt wird, besteht für gesunde schwangere Frauen über vierzig kein Grund zur Sorge.